Mufit Hasanagic: Auf einen Schlag stürzten vier Balkone runter
Margrit Graf sitzt gerade beim Abendessen, als es aus heiterem Himmel einen riesigen Knall gibt: «Plötzlich sah ich, wie der Balkon ein Stockwerk über uns angeflogen kam und auf den unseren stürzte und diesen mitriss», erzählt sie 20 Minuten am Telefon. Zu jenem Zeitpunkt kann Graf das Ausmass der Katastrophe noch gar nicht richtig abschätzen.
In einem Mehrfamilienhaus an der Alten Jonastrasse in Rapperswil hat sich kurz vor 18 Uhr der oberste Balkon urplötzlich von der Wand gelöst und ist in die Tiefe gestürzt. Im freien Fall hat er alle darunterliegenden in Mitleidenschaft gezogen, so dass am Ende alle vier Balkone komplett zerstört waren. An der Hausfassade des älteren Blocks klaffen nun vier grosse Löcher.
Mufit Hasanagic, der im dritten Stock der Liegenschaft wohnt, war gerade auf dem Heimweg als er aus dem Auto direkt zuschauen konnte, wie ein Balkon nach dem anderen abbrach. «Ich sah, wie sich der oberste Balkon langsam löste, hinunterkippte und so eine Kettenreaktion auslöste. Am Schluss lagen alle vier Balkone unten vor dem Haus in der Wiese.»
Ein anderer Nachbar steht immer noch unter Schock. «Ich bin gerade nach Hause gekommen, meine Wohnung ist zum Glück nicht betroffen. Doch jetzt habe ich Angst, dass auch bei mir etwas passieren könnte.» Viele Bewohner des Hauses können das Geschehene kaum fassen. «Eine Nachbarin von mir weint nur noch», erzählt Hasanagic.
Alle Balkone gesperrt
Wie durch ein Wunder sass trotz des herrlichen Sommerwetters zum Zeitpunkt des Einsturzes niemand auf den Balkonen. «Niemand wurde bei dem Einsturz verletzt» bestätigt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. «Alle anderen Balkone der Liegenschaft mussten wir aus Sicherheitsgründen vorübergehend sperren.» Ein Statiker soll jetzt abklären, was zu dem Einsturz geführt hat und ob die restlichen Balkone noch sicher sind.
Margrit Graf ist jedenfalls froh, dass sie Glück im Unglück hatte. «Was wollen wir machen, das Wichtigste ist doch, dass niemand unter die Steinmasse kam. Das war einfach nur Schicksal.» Auch Mufit Hasanagic ist erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Trotzdem macht ihm der Einsturz einen Strich durch die Rechnung: «Ich wollte mich eigentlich heute Abend in die Sonne legen und grillieren. Aber meinen Balkon darf ich ja jetzt nicht mehr betreten.»
(bee/ann/rey)





